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Teil 25: Wahltag. Weltfrauentag. Herzklopfen

ich hätte nie gedacht, dass ich einmal so aufgeregt auf eine Kommunalwahl hinfiebere.

Nicht dieses „Ah ja, Sonntag, Wahl, Kreuzchen“-Gefühl, sondern dieses leise, nervöse Flattern im Bauch. So, als hätte jemand eine kleine (aber unangenehm laut klopfende) Trommel in mir angeschaltet, die jetzt sagt: Achtung. Das hier zählt.

Dabei bin ich eigentlich… unpolitisch. Zumindest in dem Sinn, dass ich mich nicht an Stammtischen festbeiße oder mich in Parteifarben wickle. Ich bin eher die Frau, die sich fragt: Wie leben wir eigentlich miteinander? Wie reden wir? Wie urteilen wir? Wie schnell sind wir fertig mit einem Menschen (nur, weil der Mensch nicht ins gewohnte Bild passt)?

Und diesmal passt jemand nicht nur nicht ins Bild. Diesmal tritt eine Frau an, aber nicht „auch eine Frau”.Und sicher nicht „eine von den Frauen“. Sondern (für viele von uns hier) DIE Frau.

Katharina war schon einmal bei uns in der Kolibris Leseecke. Zum Vorlesen. Zum Interview. Und ich weiß noch genau, wie ich damals da saß und mir dachte:
Aha. So fühlt sich Kompetenz an, wenn sie nicht schreit.
So ruhig. So klar. So unaufgeregt bei sich. Keine Show, kein Glitzer, kein Eiertanz. Einfach… Erfahrung. Und diese seltene Mischung aus Authentizität und Standfestigkeit, die man nicht lernen kann wie ein Rhetorikseminar. Die kommt aus gelebtem Leben.

Seitdem höre ich Neumarkt anders, wenn es um Politik geht – und hier wird viel geredet. Über Politik sowieso. Über Politiker*innen noch mehr. Und was mich dabei manchmal wirklich schluckend innehalten lässt: Wie oft das Geschlecht mitschwingt, als wäre es ein Argument. Nicht offen, nicht ehrlich! Eher wie ein kleines Gift, das sich in Nebensätzen versteckt.
Da ist immer noch dieser seltsame Automatismus: Bei manchen Kandidaten (männlich) scheint Fähigkeit einfach… vorausgesetzt. So als wäre das eine Art Werkseinstellung.
Und bei fähigen Kandidatinnen (weiblich) tauchen plötzlich Bedenken auf, die sich nicht an Zahlen, nicht an Erfahrung, nicht an Verantwortung orientieren, sondern an Vorstellungen. An einem diffusen „Ja, aber…“.

Ja, aber kann sie das?
Ja, aber wie ist sie?
Ja, aber ist das nicht zu viel?

Sowohl von einigen Männern als auch von einigen Frauen, mit denen ich mich unterhalten habe (und es sei hier nochmal festgehalten, dass damit ausdrücklich nicht die Kandidaten selbst gemeint sind), habe ich sinngemäß Folgendes gehört: Obwohl sie ihm voraus ist, wird sie behandelt, als müsste sie sich erst beweisen, während er automatisch als „sicherer“ gilt.
Wir reden wir hier nicht über ein Bauchgefühl, wir reden über belegbare Kompetenz!
Wir reden über
 berufliche Stationen, Verantwortung, Tragfähigkeit.
Und trotzdem wird einer Frau, die akademisch, fachlich, beruflich ihrem männlichen Kontrahenten deutlich voraus ist, genau das abgesprochen, was ihr längst bescheinigt wurde.
Wäre es andersherum, wäre es plötzlich ganz einfach: „Er spielt in einer anderen Liga.“ Bei ihr wird es “aber” kompliziert.
Paradox ist das Höflichste, was mir dazu einfällt! 

Meine Lieben, heuer ist am Tag der Kommunalwahl auch Weltfrauentag. Sonntag, 08.03.2026. Was für ein Zufall. Oder eben: kein Zufall.
Manchmal wirkt das Leben, als würde es uns ein Zeichen hinlegen, findet ihr nicht? Vielleicht ist der 08.03.26 so ein Tag!
Wenn man bei uns hinhört, wirklich hinhört, dann merkt man schnell, warum dieser Tag so wichtig ist. Nicht, weil Frauen „auch mal dran“ sind. Sondern weil Gleichberechtigung eben nicht fertig ist, nicht abgehakt, nicht erledigt. 

Vielleicht habe ich den Weltfrauentag noch nie so dringlich gespürt wie dieses Mal. Wir schreiben das Jahr 2026 und ich frage mich: Welche Stimmen gelten hier als selbstverständlich? – und – Welche müssen sich immer noch doppelt beweisen?

Und genau deshalb bringt es mich so sehr zum Lächeln (und ein bisschen auch zum Staunen), dass wir ausgerechnet an diesem Tag einen Film nach Neumarkt holen, der genau davon erzählt: von kollektiver Kraft. Von Sichtbarkeit. Von dem Moment, in dem Frauen nicht mehr nur „mitgelaufen sind“, sondern Geschichte geschrieben haben. Am Weltfrauentag zeigen wir im Cineplex Neumarkt die Dokumentation „Ein Tag ohne Frauen“ – über Island 1975, als rund 90 Prozent der Frauen ihre Arbeit niederlegten. Nicht nur im Beruf. Auch daheim. Keine Hausarbeit, kein Kochen, kein stilles Funktionieren im Hintergrund. Und plötzlich stand das Land still. Nicht aus Trotz. Sondern aus Wahrheit. Und ich mag diese Wahrheit. Sie ist unbequem. Aber sie ist klar. Und Klarheit ist ein Geschenk!

Christoph vom Cineplex Neumarkt hat in unserem Interview etwas gesagt, das mich wirklich berührt hat. Er hat das Kino nicht als bloßen Unterhaltungsort beschrieben, sondern als Kulturort, “als Raum, in dem Veränderung möglich wird“. Weil man dort anders schaut. Konzentrierter. Intensiver. Ohne nebenbei das Handy. Einfach Leinwand. Geschichte.

Und nach dem Film kommt das, was mir fast noch wichtiger ist: Wir reden danach. Nicht im Internet-Kommentarstil. Nicht gegeneinander. Sondern miteinander. Julia und ich laden im Anschluss herzlich zu einem Gespräch im Kinosaal ein: lasst uns offen, respektvoll und konstruktiv miteinander reden.

Christoph hat auch klar gesagt: Das ist kein Film „von Frauen über Frauen“ oder gar “nur für Frauen”. Der Film richtet sich an alle. Und ja, gerade Männer sollten kommen. Nicht, weil sie „schuld“ sind. Sondern weil sie (noch immer) oft in Entscheidungspositionen sitzen. Weil sie mitgestalten können, wenn sie hinschauen. Und weil echte Größe nicht darin liegt, sich durch Geschlecht aufzuwerten, sondern durch Haltung.

Und bevor jetzt jemand denkt, ich würde Männer etwa hassen: Nein. Wirklich nicht! Ganz im Gegenteil. Ich sehe so viele tolle Männer um mich herum, die modern sind, warm, fähig, aufmerksam. Männer, die nicht nur zuschauen, sondern Zukunft gestalten, Gleichberechtigung mitbauen: im Alltag, in Familien, in Gesprächen, in Verantwortung. Ich habe das Glück, mit einem dieser “wir zusammen”-Männer mein Leben und meine Liebe zu teilen.

Wenn ich daran denke, wird mir ganz warm ums Herz! Weil “wir zusammen” verstanden haben, dass Gleichberechtigung kein Verlust ist, sondern ein Gewinn. Es braucht mehr davon, viel mehr! Lasst uns nicht auf perfekte Zeiten warten, “wir zusammen” haben alles, was es braucht, um sie zu machen: Schritt für Schritt. Etappe für Etappe.

08. März. Wahl. Weltfrauentag. Kino. Gespräch.

Ich gehe wählen. Und ich gehe ins Kino. Und ich hoffe (still, aber hartnäckig), dass wir irgendwann an einem Punkt sind, an dem niemand mehr über das Geschlecht einer Kandidatin spricht, sondern nur über ihre Fähigkeiten. Und ihre Persönlichkeit. Und das, was sie für diese Stadt tragen kann.

Vielleicht klingt das naiv. Vielleicht ist es das auch. Aber manchmal braucht es genau das: ein bisschen Naivität, um Dinge zu bewegen.

In Dankbarkeit
Eure Nicole

p.s.: @Christoph vom Cineplex: Dein Mitwirken bedeutet viel! Mit Dir haben “wir zusammen” etwas wertvolles Danke, dafür!

Das erwartet euch

  • Filmvorführung: „Ein Tag ohne Frauen“

  • Moderation: gemeinsam mit mir (Nicole Feldberger) und Julia, der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Neumarkt

  • Im Anschluss: Gespräch / Podiumsrunde im Kinosaal – offen, respektvoll, konstruktiv

  • Für wen: Für alle! Frauen, Männer, Jugendliche – jede Person, die sich für ein faires Miteinander interessiert.

 

Termin & Ort

📅 Sonntag, 08.03.2026
🕕 Beginn: 18:00 Uhr
📍 Cineplex Neumarkt (Saal 7)

Anmeldung / Tickets

Bitte meldet euch direkt beim Cineplex Neumarkt an (online über den Spielplan oder an der Kinokasse).
👉 Hier findet ihr die Veranstaltung / Tickets:
https://www.cineplex.de/neumarkt/film/ein-tag-ohne-frauen-11A31000012FWBXJYB